Anonymisieren von Fotos

camera-157448_640In Zeiten in denen der Satz „Pics or it didn’t happen!“ durch soziale Netzwerke, aber auch durch Websites und andere Medien zur Maxime der Öffentlichkeitsarbeit geworden ist, tendieren auch Leute, die eigentlich großen Wert auf ihre Anonymität legen gelegentlich mal dazu Fotos von sich oder anderen zu machen und diese dann zu veröffentlichen. Damit man dabei seine Identität nicht komplett oder gar nicht offenlegen muss, empfiehlt es sich die Fotos zu anonymisieren und genau damit befasst sich dieser Beitrag.

No Pics and it didn’t happen!

Was erstmal nach Unsinn klingt, nämlich, dass eine Aktion ohne Bilder nicht stattgefunden hat, hat einen wahren Kern. Will ich nicht, dass ich mit einer Aktion in Verbindung gebracht werde, mache ich am besten keine Fotos davon und lasse mich auch nicht fotografieren. Dass genau das nicht selbstverständlich ist, lässt sich ab Seite 25 der aktuellen Rote Hilfe Zeitung im Artikel „Falsche Strategie – Der Prozess gegen Fede und aktuelle Repressionsentwicklungen im Rahmen der Krisenproteste in Frankfurt“ (hier bestellbar und bald auch hier online) nachlesen. Ich zitiere:

„Spätestens bei der Inaugenscheinnahme der Daten von Fedes iPhone offenbarte sich die kooperative Prozessstrategie als überfordernd und falsch für Fede. Die Verteidigung entschied, dass er selbst statt zweier geladener Kriminalpolizisten zu den gespeicherten Bildern Stellung nehmen müsse. Das Selfie in der gleichen Vermummung am Morgen vor dem Spiegel und ein Foto einer brennenden Barrikade mit dem getaggten Namen seiner Universität brachten ihn in größte Bedrängnis, die seine Aufrichtigkeit aus Sicht des Gerichts erschütterte.“

Best practices bei der Anonymisierung von Fotos

Dieses Gruppenfoto mit Max Herre, das von Wikipedia stammt und unter Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0) Lizenz steht, dient uns als Ausgangsfoto.
Dieses Gruppenfoto mit Max Herre, das von Wikipedia stammt und unter
Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0) Lizenz steht, dient uns als Ausgangsfoto.

Entscheidet man sich (nach einem bewussten Abwägungsprozess!) für die Veröffentlichung von Fotos und will diese anonymisieren, dann sollte man zunächst prüfen, welche Bestandteile des Bildes anonymisiert werden müssen. In Betracht kommen dabei natürlich zunächst die Gesichter der Abgebildeten, doch ein Bild kann noch viele weitere identifizierende Bestandteile haben. Zunächst kommt beispielsweise in Betracht, dass Abgebildete an Hand ihrer Kleidung (z.B. auffällige Schuhe) oder ihrer Körperhaltung identifiziert werden können. Des Weiteren können Fenster oder sonstige „bauliche Besonderheiten“ einen Rückschluss darauf zulassen, wo das Foto aufgenommen wurde. Insbesondere sollte man auf Spiegel oder andere reflektierende Gegenstände achten. Der Hintergrund von Bildern sollte allgemein nicht vernachlässigt werden. So hat beispielsweise das Sicherheitszentrum der FIFA-WM in Brasilien ein WLAN-Passwort auf einer Großbildleinwand im Büro anzeigt, während dort Fotos für einen Zeitungsartikel gemacht wurden.

Nachdem man entschieden hat welche Teile des Bildes der Anonymisierung bedürfen, sollte man die Bereiche mit einem schwarzen Balken abdecken.

Das Foto wurde mit verschiedenen Funktionen bearbeitet.
Das Foto wurde mit verschiedenen Funktionen bearbeitet.

Alternativ kann man auch zum manuellen Verwischen greifen, was aber mehr Aufwand ist und sorgfältig, in mehreren Durchgängen durchgeführt werden sollte. Auf keinen Fall sollte man auf automatisierte Filter des Bildbearbeitungsprogramms zurückgreifen, da diese oft nach rein mathematischen Formeln arbeiten und sich daher zurückrechnen lassen. Ein gutes Beispiel dafür ist das „Verdrehen von Gesichtern“. Einen Sonderfall stellt dabei die

Und hier der Versuch die Anonymisierung rückgängig zu machen. Mit mehr Erfahrung und besserer Software lässt sich da aber sicher noch mehr raus holen.
Und hier der Versuch die Anonymisierung rückgängig zu machen. Mit mehr Erfahrung und besserer Software lässt sich da aber sicher noch mehr raus holen.

Verpixelungsfunktion einiger Bildbearbeitungsprogrammen dar. Da hier (bei ausreichender Größe der Pixel) sehr viele Informationen verloren gehen, lassen sich die verlorenen Bereiche eines Bildes bisher (nach meinem Kenntnisstand) nicht rekonstruieren. Um jedoch keine unnötigen Fehlerquellen zu schaffen (siehe das verpixelte Gesicht im Beispiel), ist es ratsam auf eine Schwärzung zurückzugreifen. Außerdem sollte das Bild nach der Anonymisierung verkleinert werden, um einem Angreifer keine hochaufgelöste Aufnahme zur Verfügung zu stellen.

Nachdem das Bild entsprechend der obigen Verschläge anonymisiert wurde, sollten alle Metadaten der Bilddatei entfernt werden, da in den Metadaten zahlreiche (identifizierende) Informationen (z.B. Bearbeitername, Kameratyp, Aufnahmeort (bei GPS-Funktion), usw.) gespeichert werden.

  • Für Linux empfiehlt sich der Einsatz des Metadata Anonymisation Toolkits – kurz MAT – oder der Einsatz des Kommandozeilenwerkzeugs ExifTool.
  • Für Mac OS gibt es das Tool ImageOptim, das es ebenfalls erlaubt alle Metadaten eines Bildes zu entfernen.
  • Windows bietet die Möglichkeit über den Eigenschaften-Dialog einer Bilddatei die persönlichen Informationen zu löschen. Allerdings werden nicht alle Informationen gelöscht. So bleibt beispielsweise Name und Version des Bildbearbeitungsprogramms erhalten. Je nach Software kann das schon verräterisch sein. Deshalb empfiehlt es sich die letzte Freeware-Version des Programms „Exif Tag Remover“, die es z.B. hier zum Download gibt, zu verwenden.

Abschließend sei noch angemerkt, dass es nicht sinnvoll ist eine anonymisierte Version des Bildes z.B. auf einer Website und eine nicht-anonymisierte Version an anderer Stelle z.B. im eigenen Facebook-Profil öffentlich zu machen. Unser Beispielbild das „Gruppenfoto mit Max Herre“ lässt sich beispielsweise problemlos mit der Google-Funktion „Ähnliche Bilder suchen“ auch in seiner Originalversion finden, wenn man die anonymisierte als Ausgangsdatei benutzt.

 

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